Eibenbestand in der Graburg
Eiben (Taxus) sind in Europa, Nordafrika und Westasien heimisch, wobei die Europäische Eibe (Taxus baccata) die bekannteste Art ist. Sie ist der Methusalem unter den Baumarten. Eiben gab es in Europa bereits vor 150.000 Jahren. War der immergrüne Nadelbaum einst weit verbreitet, ist er heute eine Rarität durch Übernutzung (Holz für Langbögen) und Wildverbiss. An den Hängen der Graburg im Ringgau und Weißenborn jedoch gibt es rund 1.000 Eiben mit einem Alter von ca. 180 Jahren. In dem knapp 400 Hektar großem Naturschutzgebiet, das zu Beginn der 1960er-Jahre dort ausgewiesen wurde, werden sie nun gehütet und gehegt.
Gerade am Nordhang der Graburg drohen aber die deutlich schneller wachsenden Buchen die Eiben zu verschatten. Zwar ist die Eibe ein geduldiger Baum - extrem langsam wachsend - gewinnt sie nicht immer über die schnell wachsende Konkurrenz und dann nutzt auch ihr langer Atem nichts.
Schafft die Eibe ihre ersten etwa 25 Jugendjahre, kann sie auch über Jahre und Jahrzehnte ausharren, darauf warten, dass die Buchen nach 300 Lebensjahren sterben, ein Sturm für Windwurf und damit für Licht im Wald sorgt.
Neu gepflanzte, winzige Eiben werden eingezäunt, um sie vor Rehen zu schützen - mindestens 15 bis 25 Jahre bedürfen sie dieses Schutzes, erst dann sind sie der Äserhöhe der Rehe entwachsen. Diese lieben Eiben und fressen die kleinen Bäume mit großem Genuss. Obwohl Eiben extrem giftig sind - Pferde verenden sofort - macht das den Rehen als Wiederkäuer nichts aus.
Die Giftigkeit der Eibe diente dem Baum allerdings kaum zu dessen Schutz sondern sorgte eher für sein Verderben und seine beinahe Ausrottung. Solange die Menschen Holz mit Pferden aus dem Wald zogen, wurde jede Eibe erbarmungslos abgehackt. Man hatte Angst um die wertvollen Pferde, die sofort verendeten, wenn sie von einer Eibe fraßen. In dem Fall sorgte die Erfindung des Traktors für eine Verschnaufpause der Eiben.
200 Jahre zuvor hatten sich die Eibenbestände in den Wäldern schon einmal ganz gut erholt. In den Revolutionsjahren, als dem Adel das alleinige Jagdrecht aberkannt wurde, erlegten die Bauern und die Landbevölkerung im Wald alles, was Beine hatte. Doch die Wildbestände haben sich längst erholt. Das Rehwild kann den inzwischen rund 180 Jahre alten Eiben auf der Graburg mit einem Stammumfang von etwa 80 Zentimetern zwar nichts mehr anhaben, aber eine natürliche Verjüngung durch sich selbst aussamende Bäumchen funktioniert nicht. Zu schmackhaft sind die winzigen Eibenkeimlinge für das Rehwild.
Doch nicht nur das Wild machte den Eiben im Laufe der vergangenen Tausend Jahre zu schaffen. Durch ihr extrem langsames Wachstum zeichnet sich Eibenholz durch eine einzigartige Zähigkeit, Härte und gleichzeitige Elastizität aus - zu erkennen unter anderem an den hauchdünnen Jahresringen. Und genau diese Eigenschaft machte die Eibe so attraktiv für Bau von Bögen und Armbrüsten. Dementsprechend war die Nachfrage lange Zeit nahezu unersättlich - mit dramatischen Folgen. Im Mittelalter brachen in ganz Europa die Bestände zusammen. Später war es mit seinem rotbraunen Holzkern und dem gelben Splint immer noch als attraktives Möbelholz oder für den Bau von Blasinstrumenten gefragt. Die zwei ältesten bisher gefundenen hölzernen Werkzeuge sind Jagdwaffen aus Eibenholz, etwa 150.000 und 90.000 Jahre alt. Auch Ötzi hatte einen Landbogen aus Eibenholz.
Einige Textpassagen wurden von einem Artikel aus der Werra Rundschau am 01.11.2025 von der Redakteurin STEFANIE SALZMANN übernommen.
Bilder: Thomas Mäurer
Achtung – Giftigkeit!
Holz, Rinde, Nadeln und Samen enthalten toxische Verbindungen, die in ihrer Gesamtheit als Taxane oder Taxan-Derivate (Diterpene) bezeichnet werden. Der Gehalt an toxischen Verbindungen ist in den unterschiedlichen Baumteilen verschieden hoch und schwankt in Abhängigkeit von der Jahreszeit und individuellem Baum.
Der Samenmantel des Baumes ist hingegen nicht giftig und schmeckt süß.
Die toxischen Verbindungen werden beim Menschen und anderen Säugetieren rasch im Verdauungstrakt aufgenommen. Vergiftungserscheinungen können beim Menschen bereits 30 Minuten nach der Einnahme auftreten. Die toxischen Verbindungen wirken dabei schädigend auf die Verdauungsorgane, das Nervensystem und die Leber sowie die Herzmuskulatur. Ein Gegenmittel gibt es nicht.
Zu den Symptomen einer Vergiftung zählt eine Beschleunigung des Pulses, Erweiterung der Pupillen, Erbrechen, Schwindel und Kreislaufschwäche, Bewusstlosigkeit. Bereits eine Aufnahme von 50 bis 100 Gramm Eibennadeln kann für den Menschen tödlich sein. In zerkleinerter oder zerhackter Form wirken die Nadeln fünf Mal stärker. Der Tod tritt durch Atemlähmung und Herzversagen ein. Menschen, die eine solche Vergiftung überleben, tragen in der Regel einen bleibenden Leberschaden davon.
Pferde, Esel, Rinder sowie Schafe und Ziegen reagieren in unterschiedlichem Maße empfindlich auf die in Eiben enthaltenen toxischen Verbindungen. Pferde gelten als besonders gefährdet. Bei ihnen soll schon der Verzehr von 100 bis 200 Gramm Eibennadeln zum Tode führen.
Kontakt
Kirchplatz 1
37299 Weißenborn
Deutschland
Tel. 05659 302
Fax 05659 492
Aktuelles
Es wurden keine Meldungen gefunden.















